Blumentoni und andere Raritäten

Beim Sommergespräch der Augsburger Allgemeinen in Oberhausen gab es ein Wiedersehen mit einem stadtbekannten Augsburger Original und so manch andere Überraschung.

Ein Gemälde des »Blumentoni« sorgte für viel Erheiterung. Die älteren Gäste, die zum mobilen Schreibtisch der AZ-Kulturredaktion gekommen waren, erkannten ihn sofort. Der 1895 geborene und 1967 gestorbene Anton Schwarz, streifte mit seinem blumengefüllten Buckelkorb, stets ein fröhliches Lied pfeifend, durch die Stadt. Man traf ihn in der Straßenbahn und an vielen Plätzen in Oberhausen. Gerne ahmte er auch den Kuckucksruf nach. Seine Streiche brachten ihn wiederholt in Schwierigkeiten mit der Polizei. Auktionator Georg Rehm war eingeladen, solche mitgebrachten Raritäten zu begutachten. Künstlerisch wertvoll meinte der Experte, sei es wohl nicht, »ein unbekannter Künstler – höchstens fünfzig Euro, mehr ist wohl nicht zu erzielten, wenn man es verkauft«. Aber darum ging es auch gar nicht an diesem Nachmittag. Die mitgebrachten Gegenstände waren ein Anlass, Geschichten zu erzählen.

Um die 30 Gäste waren an den Tisch von Richard Mayr und Michael Schreiner von der AZ gekommen. Die Runde rückte unter dem Vordach der Schulturnhalle eng zusammen, da immer wieder ein leichter Regenschauer vom Himmel kam. Ein Gast nach dem anderen konnte seinen Schatz präsentieren. Wenn Rehm etwas in die Hand nimmt, weiß er sofort etwas über den Gegenstand zu sagen. Kein Wunder, denn acht- bis zehntausend Objekte bewertet er im Jahr in seinem Auktionshaus im Textilviertel. Dabei spricht er Klartext, ob ein Wert damit verbunden ist oder ob der Schmuck, die Uhr, das Gemälde nicht mehr als den Erinnerungswert vorweist. An diesem Nachmittag war das bei den meisten gezeigten Exponten der Fall. Bei den Gemälden war der Rahmen oft mehr Wert als das Bild selbst und die Augsburgtaler waren keine Originale sondern Nachprägungen. Einen sehr hohen ideellen Wert haben bestimmt die Schuhe, die eine Dame präsentierte. Ihre Mutter hat sie als Stepperin in der ehemaligen Schuhfabrik Wessel gefertig. Sie sind aus den 50er Jahren und ungetragen. Eine Erinnerung an frühere Zeiten eben. Ein anderes gezeigtes Oberhauser Relikt war der Reservistenkrug eines Soldaten, eines Herrn, der früher in der Gersthoferstraße gewohnt hat.

Besonders beeindruckend war eine zwölfbändige Enzyklopädie der Naturgeschichte der Vögel in Mitteleuropa von 1900, die eine Oberhauserin zeigte, deren Vater Ornithologe war. Der Autor dieses Großwerkes war Johann Friedrich Naumann, er galt als der Begründer der Vogelkunde. Zwischen 1897 und 1905 wurden die zwölf Bände mit prächtigen Farbtafeln in Gera mit einer Auflage von 150 Exemplaren herausgegeben. Rehm schätzte sie auf einen Gesamtwert von 1500 Euro, wobei er damit den Ankaufspreis als Händler taxierte. Wer sich die Mühe macht, die Bände einzeln im Internet selbst zu verkaufen, könne sicher noch mehr erzielen. Das kommt für die Besitzerin aber nicht in Frage. Der Schatz bleibt in der Familie, wie viele der anderen Erinnerungsstücke, die an diesem Nachmittag mitten in Oberhausen ihren Auftritt hatten.